GCJZ Hannover siteheader

Gesellschaft CJZ Hannover e.V.

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hannover e.V.
c/o Frau Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann
Hanns-Lilje-Platz 2
D-30159 Hannover

Fon 05 11 / 36 43 7 - 22
Fax 05 11 / 36 43 7 - 37

eMail marktkirche.pastorin@evlka.de
Homepage www.gcjz-hannover.de

Das unbekannte Vernichtungslager Kulmhof am Ner

Die Kulmhof-Prozesse in Bonn 1962/63 und 1965
Mit Prof. Dr. Peter Kuhn – ein Zeitzeuge berichtet

14. November 2017

Tagungshaus Clemens - 19.00 Uhr
Leibnizufer 17B (an der Basilika St. Clemens), Hannover


Am 8. Dezember 1941 wurden in dem kleinen Ort Kulmhof am Ner (Chelmno nad Nerem) einige Hundert Juden mit Motorabgasen ermordet, mit der Technik also, die zuvor bei den Euthanasiemorden in Deutschland angewendet worden war. Kulmhof lag im „Warthegau”, dem vom Deutschen Reich annektierten Teil Polens, etwa 70 Kilometer nordwestlich von Lodz, damals Litzmannstadt.

Die Inbetriebnahme dieser Vernichtungsstätte durch das SS-Sonderkommando Lange ist der Beginn der nationalsozialistischen Massentötung an den europäischen Juden durch Giftgas. Im Vernichtungslager Kulmhof wurden bis 1944 mehr als 150.000 jüdische Menschen getötet, die zum Großteil aus dem Ghetto Litzmannstadt kamen. Aus diesem Ghetto kamen auch einige Tausend Menschen, die den Sinti und Roma angehörten.

Die Kulmhof-Prozesse (1962/63 und 1965) fanden fast zeitgleich mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen statt, wurden aber nicht im gleichen Maße in der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Peter Kuhn studierte in den 60er Jahren in Bonn und erlebte im dortigen Landgericht als Begleiter seines Lehrers Ch. Horowitz die Verhandlungen des Kulmhof-Prozesses in seiner ersten Phase. Prof. Horowitz war als Dolmetscher für Polnisch und Jiddisch zum Prozess gebeten worden. Prof. Kuhn berichtet über die Geschichte des Vernichtungslagers Kulmhof und insbesondere über seine persönlichen Erinnerungen an den Kulmhof-Prozess in Bonn. Er wird seine Eindrücke vom politischen Klima der damaligen Zeit schildern, in dem es erst 20 Jahre nach den Verbrechen dazu kam, dass die Täter in Deutschland zur Rechenschaft gezogen wurden.

Peter Kuhn (* 1938) studierte Theologie, Philosophie, Semitistik und Judaistik in Tübingen, Basel, Bonn und Regensburg. Er promovierte 1965 in Semitistik an der Universität Bonn, 1975 in Theologie an der Universität Regensburg. Von 1966 bis 1972 war er wiss. Assistent von Joseph Ratzinger (später Papst Benedikt XVI.) in Tübingen und Regensburg. Zuletzt war er von 1991 bis 2013 Professor für Judaistik an der Hochschule der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern.